Informationen zum Projekt ‘Nationalpark Senne-Teutoburger Wald-Eggegebirge‘
Im Jahr 1989 zerfiel das politisch-militärische Bündnis Osteuropas. Die Armee der Sowjetunion verließ in den Folgejahren die DDR. Kurz vor der Wiedervereinigung beschloss die Volkskammer der DDR, ehemalige Truppenübungsplätze und andere naturschutzwürdige Flächen als Naturparke, Biosphärenreservate und Nationalparke auszuweisen.
Aufgrund dieser Entwicklungen erwarteten einige Menschen in der Region, dass auch die Britischen Streitkräfte kurzfristig aus Deutschland abziehen werden. Aus der damals herrschenden „Stimmung heraus entstand die Forderung nach einem Nationalpark in der Senne“, wobei „die Initiative, die sich um 1990 für einen Nationalpark Senne einsetzte, inhaltlich linkspolitisch an die Friedensbewegung angebunden und eher antimilitaristisch geprägt war“, wie Roland Siekmann es in seinem Buch ‚Eigenartige Senne’ (2004, S. 364) schildert.
Die Initiative befürchtete, dass der britisch verwaltete Truppenübungsplatz Senne von der Bundeswehr übernommen, touristisch oder baulich genutzt werden könnte. Um das zu verhindern, sollte die Senne, dem Vorbild der DDR folgend, als Nationalpark ausgewiesen werden.
Im Jahr 1991 beschloss der Landtag NRW einstimmig, die Senne als Nationalpark auszuweisen, falls die militärische Nutzung enden sollte. Allerdings wurde dieser Beschluss gefasst, ohne dass man sich zuvor gründlich Gedanken darüber gemacht hatte, was ein Nationalpark eigentlich für die Senne bedeuten würde. Denn die Besonderheit eines Nationalparks ist, dass sich in ihm die Natur nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln darf. Ließe man das zu, dann würden die wertvollen Heide- und Graslandschaften der Senne verschwinden.
Die Britischen Streitkräfte verließen die Senne nicht. Ganz im Gegenteil: Sowohl die Britische Rheinarmee in OWL als auch die Bundeswehr in Augustdorf wurden gestärkt. Der Truppenübungsplatz Senne wurde und wird für die Vorbereitung der deutschen und britischen Soldaten auf verschiedene Auslandseinsätze dringend benötigt.
Kurz vor der Landtagswahl im Jahr 2005 gab es eine neue Initiative zur Ausweisung der Senne als Nationalpark. Erstmalig wurde ein Gutachten erstellt, in dem geprüft wurde, ob die Senne überhaupt nationalparkwürdig ist. Das Ergebnis war: In der Senne können die fachlichen Standards für Nationalparke nicht erfüllt werden. Denn der naturschutzfachliche Wert der Senne beruht vor allem auf der von Menschen geschaffenen und vom Militär erhaltenen offenen Landschaft. Dort lebt der weit überwiegende Teil der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Es ist daher naturschutzfachlich nicht möglich, die Gras- und Heidelandschaft zuwachsen zu lassen. Daher kann ein großer Teil der Senne nicht einer natürlichen Entwicklung überlassen werden, sondern muss weiter gepflegt werden.
Um die angestrebten fachlichen Standards dennoch erfüllen zu können, wurde die Gebietskulisse drei Monate nach Vorlage des ersten Gutachtens um ca. 11.000 ha Staatswald im Eggegebirge erweitert. Zwar gab es keinen räumlichen und funktionellen Zusammenhang zwischen Senne und Egge, aber man konnte nun in der Gesamtkulisse erreichen, dass mindestens 75 % der Fläche dem sogenannten Prozessschutz überlassen bleiben können. Die Gebietskulisse wurde allerdings seinerzeit vom Dachverband der deutschen Nationalparke, EUROPARC Deutschland e.V., kritisiert.
Dennoch beschloss der Landtag am 20.04.2005, dass die Senne bei gleichzeitiger militärischer Nutzung als Nationalpark ausgewiesen werden soll. Eine Einbeziehung der Egge sollte geprüft werden. Auf Flächen außerhalb dieser potentiellen Kulisse sollte es keine Einschränkungen für die Waldwirtschaft geben. Privatwaldflächen sollen nicht gegen den Willen des Eigentümers in den Nationalpark einbezogen werden.
Nach der Landtagswahl 2005 wurde die Ausweisung eines Nationalparks Senne nicht weiter verfolgt. Das FFH- und das Vogelschutzgebiet in der Senne wurden landes- und regionalplanerisch sowie über vertragliche Vereinbarungen gesichert.
Die Ausweisung der Egge als Nationalpark wurde im Zusammenhang mit einem rd. 88.000 ha großen Biosphärenreservat diskutiert. Auch dieses Projekt wurde jedoch aufgrund des massiven Widerstandes aus der Region eingestellt.
Seit dem Jahr 2007 verfolgen der Landrat und der Kreistag des Kreises Lippe die Idee, einen Nationalpark auf lippischem Gebiet im Bereich des Teutoburger Waldes auszuweisen.
Die im Jahr 2010 gewählte und 2012 wiedergwählte Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausweisung eines Nationalparks Senne - Eggegebirge -Teutoburger Wald erneut anzustoßen. Neue Nationalparke in Nordrhein-Westfalen sollen die fachlichen Standards der IUCN erfüllen, heißt es im Koalitionsvertrag. Das bedeutet: Ein Nationalpark soll mindestens 10.000 ha groß sein. Auf mindestens 75 % der Fläche soll die Natur sich selbst überlassen bleiben und frei von menschlichen Einflüssen entwickeln.
Land und Kreis gaben verschiedene Gutachten in Auftrag. Ein neues Gutachten des Landes bestätigte, dass in der Senne die nationalen und internationalen Standards von Nationalparks nicht erreicht werden können. Nur ca. 60% der Fläche können sich selbst überlassen bleiben.
Das Landesgutachten zur Gebietskulisse Teutoburger Wald-Egge ergab, dass ein Nationalpark kleiner als 10.000 ha sein würde. Entgegen dem Landtagsbeschluss vom 20.04.2005 sieht die vom Land verfolgte Gebietskulisse vor, dass Privatwaldflächen gegen den Willen des Eigentümers in den Nationalpark einbezogen werden. Das Wirtschaftlichkeitsgutachten des Kreises Lippe hat gezeigt, dass die positiven wirtschaftlichen Effekte eines Nationalparks äußerst gering wären. Sie lassen sich zudem nur mit hohen jährlichen Subventionen erreichen. Allein die jährlichen Kosten des Landes würden sich auf über 5 Mio. Euro belaufen. Hinzu kämen neue Aufwendungen für die kommunale Ebene, denn der Betrieb der sogenannten Nationalparktore wäre von den Kommunen zu finanzieren.
Der Rat der Gemeinde Augustdorf hat sich mit großer Mehrheit gegen einen Nationalpark in Senne, Teutoburger Wald und Egge ausgesprochen. Ablehnende Beschlüsse liegen außerdem aus den kommunalen Gremien von Horn-Bad Meinberg, Lemgo, Leopoldshöhe, Altenbeken, Hövelhof, Lichtenau, Bad Driburg, Borgentreich, Brakel, Steinheim und Willebadessen vor. Die Ablehnung ist parteiübergreifend. Sie umfaßt in mehreren Kommunen die Fraktionen von CDU, FDP, SPD und Wählergemeinschaften.
Der Rat der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock forderte einstimmig, dass die Senne als Kulturlandschaft erhalten bleibt. Mit deutlicher Mehrheit wurde eine einseitige Festlegung auf einen Nationalpark abgelehnt. Inhaltlich richtet sich der Beschlüsse gegen einen Nationalpark. Denn Nationalparke erhalten keine Kulturlandschaften, sondern entwickeln Naturlandschaften. Großflächiger Prozessschutz auf 75 bis 100% der Fläche ist ihr wesentliches Merkmal.
Gegen den Nationalpark haben auch die Kreistage von Paderborn, Höxter und Gütersloh gestimmt. Der Kreis Lippe hat geplante zustimmende Beschlüsse bereits zweimal nicht gefasst. Aktuelle positive Beschlüsse zu der aktuellen Nationalparkkulisse sind aus keiner Kommune bekannt.
Nachfolgend werden Ihnen wichtige Informationsangebote, Gutachten, Stellungnahmen und Beschlüsse präsentiert. Sie sollen Ihnen dabei helfen, eine eigene Meinung zum Nationalpark zu fassen.
Rat und Ausschüsse der Gemeinde Augustdorf
2011-03-24-Bericht zum Gutachten Roland Berger HFA Niederschrift.pdf
2011-05-05-Vortrag LR Heuwinkel im HFA Niederschrift.pdf
2011-05-05-Vortrag LR Heuwinkel im HFA.pdf
2011-05-19-Sachstandsbericht HFA.pdf
2011-07-21-Antrag FDP für Rat.pdf
2011-07-21-Beschluss Rat Niederschrift.pdf
2011-09-15-Bericht zur Expertenanhörung HFA.pdf
2011-09-15-Sachstandsbericht HFA Niederschrift.pdf
2011-10-20-Sachstandsbericht Rat Niederschrift.pdf
Schriftstücke von Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf
2011-09-05-Anhörung Landtag Stellungnahme.pdf
2011-09-05-Anhörung Landtag Anlage.pdf
2011-11-14-Stellungnahme Vertiefungsgutachten Roland Berger.pdf
2011-11-15-Wirtschaftliche Effekte NLP und BR - Umfrage IHKs.pdf
2012-01-13-Nationalpark - Buergerbefragung.pdf
2012-01-23-Kreis Gütersloh.pdf
Stellungnahmen anderer Organisationen und Personen
Stellungnahmen verschiedener Organisationen im Rahmen einer Anhörung des Umweltausschusses des Landtages NRW
finden Sie hier.
(Quelle: Der Steuerzahler, März 2012)
Internetseiten zum Nationalpark
Bürgerinitiative Unser Teutoburger Wald
http://www.unser-teutoburger-wald.de/
Kreis Lippe
http://www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/
Waldbauernverband NRW
http://www.nationalparklippe.de/
Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V.
http://web.foerderverein-nationalpark-senne.de/
Gutachten zum Nationalpark
LANUV-Gutachten zur Senne (2011)
http://www.lanuv.nrw.de/natur/schutzgeb/Gutachten%20NLP%20Senne_260811.pdf
LANUV-Gutachten zum Teutoburger Wald (2011)
http://www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/downloads/lanuv-gutachten/
oder
http://www.lanuv.nrw.de/natur/schutzgeb/LANUV-Gutachten_NLP_TeutoburgerWald.pdf
Wirtschaftlichkeitsgutachten von Roland Berger (2010 und 2011)
http://www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/downloads/berger-gutachten/
Stellungnahme von Prof. Dr. Udo Mantau zum Gutachten von Roland Berger zur Wirtschaftlichkeit des Nationalparks Teutoburger Wald/Eggegebirge
http://www.detmold.ihk.de/de/standort-lippe/planen-und-bauen/nationalpark
LÖBF-Gutachten zur Senne (2004)
LÖBF-Gutachten zur Senne (2004)
Sonstiges
Themenseite der Lippischen Landeszeitung
Themenseite der Zeitung „Westfalen-Blatt“
Meinungsforum Nationalpark von Radio Lippe







