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Bürgermeister zur aktuellen Nationalpark-Umfrage

02.11.2012

 

senneZu den Ergebnissen der aktuellen EMNID-Umfrage zum geplanten Nationalpark stellt Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf fest: „Umfragen ersetzen keine demokratischen Entscheidungen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für die betroffenen Kommunen und Kreise. Auf diese kommt es aber an. Ob sie für OWL repräsentativ sind, ist fragwürdig.“

 

Der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge und die Bezirkskonferenz Naturschutz hatten im Oktober 2012 eine NRW-weite Umfrage durchführen lassen. Bei dieser wurden in ganz NRW 1.045 Personen befragt. 168 davon leben Ostwestfalen-Lippe (OWL). „Das sind 0,008% der Einwohner von OWL. Im Rahmen der Umfrage haben sich 0,006% der Menschen im Regierungsbezirk Detmold für einen Nationalpark ausgesprochen“, rechnet Dr. Wulf vor.

 

Augustdorfs Bürgermeister verlässt sich lieber auf die vorliegenden handfesten und nachprüfbaren Zahlen: Mehr als 35.000 Menschen haben gegen den Nationalpark unterschrieben. Drei Kreistage und zwölf Stadt- und Gemeinderäte haben gegen den Nationalpark gestimmt, keine Kommune dafür. „Die Kreistage und kommunalen Räte, die den Nationalpark ablehnen, repräsentieren fast 900.000 Menschen und damit nahezu die Hälfte der Einwohner von Ostwestfalen-Lippe“, stellt Dr. Wulf fest: „Ich glaube nicht, dass die demokratisch gewählten Volksvertreter von CDU, FDP, SPD und Wählergemeinschaften den Willen ihrer Bürger nicht erfasst haben, bevor sie gegen den Nationalpark gestimmt haben.“

 

Augustdorfs Bürgermeister macht klar, dass die Umfrage nicht repräsentativ für die betroffenen Kommunen und Kreise ist. Augustdorf stelle 0,47% der Einwohner von OWL. Wenn die Umfrage die Kommunen gleichmäßig berücksichtigt hat, dann wurde in Augustdorf nicht einmal ein ganzer, sondern nur ein Dreiviertel-Mensch befragt. Gleiches gilt für andere kleinere betroffene Kommunen wie Schlangen, Altenbeken oder Lichtenau. In Horn-Bad Meinberg, Bad Lippspringe, Bad Driburg, Steinheim oder Hövelhof waren es jeweils weniger als zwei Menschen, in Detmold sechs Personen. In ganz Lippe wurden rechnerisch 28,8 Menschen befragt.

 

„Auf die direkt betroffenen Kommunen kommt es aber an“, betont Dr. Wulf. Zum einen, weil das Land mit einem Nationalpark in die kommunale Planungshoheit der  betroffenen Gebietskörperschaften eingreifen würde. Zum anderen, weil der Kreis Lippe versprochen hat, einen Nationalpark nur im Einvernehmen mit den Kommunen umzusetzen. So steht es im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und FW. „Auch das Land wollte unter den Umweltministern Höhn und Uhlenberg einen Nationalpark nicht gegen die Region durchsetzen. Erst Minister Remmel scheint eine andere Linie zu fahren,“ schließt Dr. Wulf aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des MdL Volker Jung (Landtags-Drucksache 16/1164 vom 22.10.2012).

 

Was die – rein rechnerisch – 26,8 Befragten aus Bielefeld, die 25,8 Teilnehmer aus dem Kreis Minden-Lübbecke oder die 20,5 Antwortgeber aus dem Kreis Herford zu einem Nationalpark gesagt haben, sei daher für die Entscheidungsfindung nicht maßgeblich.

 

Fragwürdig sei zudem, ob die Ergebnisse überhaupt für OWL repräsentativ seien, denn: Bei den Befragungen in 2008 und 2012 wurde anscheinend die gleiche Methode angewendet, die 1000-Antworten-Umfrage. Es wurden jeweils ca. 1.000 Personen befragt. Allerdings wurden 2008 1.000 Menschen ausschließlich aus OWL interviewt, während es 2012 gut 1.000 aus ganz NRW waren. In OWL haben lediglich 168 Personen Antworten gegeben. „Es ist leicht nachvollziehbar, dass Stichproben von so unterschiedlicher Größe bei wenig veränderter Grundgesamtheit hinsichtlich ihrer Repräsentativität verschieden zu beurteilen sind“, sagt Dr. Wulf. TNS EMNID müsse erklären, ob man bei der Befragung eine Repräsentativität für OWL überhaupt angestrebt habe.

 

Ein Vergleich der beiden Umfragen ist auch in anderer Hinsicht aufschlussreich: Im Jahr 2008 wurde erfragt, dass 84% der Umfrage-Teilnehmer bereits einmal einen Nationalpark besucht haben. Daraus wurde geschlossen, dass diese Personen den Unterschied zwischen einem Nationalpark und einem Naturpark kennen – was Dr. Wulf für eine zweifelhafte Schlussfolgerung hält. Bei der Umfrage in 2012 waren es aber nur noch „weit mehr als die Hälfte“. Das bedeutet nach der obigen Interpretation, dass jetzt erheblich mehr Personen geantwortet haben, die den Unterschied zwischen einem Nationalpark und einem Naturpark nicht kennen.

 

Augustdorfs Bürgermeister folgert aus seinen Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte, dass der Mehrheit der Menschen der Unterschied zwischen einem Nationalpark und einem Naturpark nicht hinreichend bekannt ist. Darauf deuteten auch die Antworten zu den Erholungsmöglichkeiten hin. Die große Mehrheit der Befragten glaubt, dass ein Nationalpark ein attraktives Erlebnis-, Freizeit- und Erholungsgebiet sei. Die Förderung der Erholungsnutzung und des Tourismus sei jedoch ein zentrales Ziel eines Naturparks. „Ich bin davon überzeugt: Wenn man den Interviewten zuerst den langen Verbotskatalog des Nationalparks Eifel vorgelesen hätte, dann hätten weniger als 10% der Menschen geantwortet, dass sie eine Verbesserung des Erholungs- und Freizeitwertes erwarten“, sagt Dr. Wulf.

 

Die Erfahrung zeige zudem: Je besser die Menschen über einen Nationalpark informiert sind, um so größer wird die Ablehnung. Das wurde bereits bei dem Nationalpark-Projekt Siebengebirge durch eine wissenschaftliche Arbeit festgestellt (siehe z.B. die Darstellung zum NLP Siebengebirge unter www.renate-hendricks.de ). Und das wurde auch in  vielen Informationsveranstaltungen, die in der Region bislang durchgeführt wurden, deutlich. „Bei den Pro- und Contra-Veranstaltungen gibt es in der Regel klare Mehrheiten für die Nationalpark-Gegner“, stellt Dr. Wulf fest.

 

Um zu einem für jedermann nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen, schlägt der Bürgermeister vor, die 168 von EMNID ausgewählten Repräsentanten der Region zu einer Pro- und Contra-Veranstaltung zum Nationalpark einzuladen. Dabei sollen auch die Unterschiede zu einem Naturpark dargelegt werden. Anschließend sollen sie erneut befragt werden. Dr. Wulf: „Ich bin davon überzeugt, dass eine große Mehrheit den  Nationalpark ablehnen würde.“



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