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Lopshorn soll Wald werden

22.08.2012

 

senneIn einem Nationalpark Senne sollen u.a. die Lopshorner Wiesen sowie Graslandschaften im sogenannten Augusta-Gebiet der Verbuschung und Bewaldung überlassen werden. Die am strengsten geschützten Zonen eines Nationalparks, die sog. Prozessschutzzonen, sollen bis an die Augustdorfer Siedlungsränder heran ausgedehnt werden. In diesen Prozessschutzzonen soll sich die Natur frei und ohne menschliche Einflüsse nach ihren eigenen Regeln entwickeln können.

 

Das lässt sich dem 'Gutachten zur Eignung der Senne als Nationalpark' des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW von August 2011 entnehmen (siehe die Abb. 9 und 12 des Gutachtens).

 

Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf kritisiert diese Planungen: "Lopshorn ist von großer kulturhistorischer Bedeutung für die Region. Viele alte Augustdorfer haben dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. Lopshorn ist Teil unserer Heimat. Das darf man nicht einfach aufgeben, nur weil sonst kein Nationalpark möglich ist."

 

Lopshorn war seit Mitte des 16. Jahrhunderts Sitz des Senner Gestüts und später auch Jagdschloß. Die Senner Pferde gelten als die älteste Pferderasse Deutschlands. Sie wurden erstmalig im Jahr 1160 urkundlich erwähnt. Die 'Initiative Wiederaufbau Schloß Lopshorn gGmbH' verfolgt das Ziel, das Schloß eines Tages wieder aufzubauen. Dr. Wulf: "Ich habe den Eindruck, dass unsere Geschichte, die Verbundenheit der Augustdorfer mit ihrer Heimat und die Bedürfnisse der vor Ort lebenden Menschen bei den Nationalparkplanungen nicht den Stellenwert haben, der ihnen zusteht."

 

Augustdorfs Bürgermeister stellt fest, dass ein Nationalpark in der Senne  weder die nationalen noch die internationalen fachlichen Standards erfüllen kann. Danach müssten 75 % bis 100 % der Fläche für den Prozessschutz zur Verfügung gestellt werden. Die in der Senne verfügbare Waldfläche hat aber nur einen Flächenanteil von 49 %. Das entspricht ca. 5.700 ha. Davon kann nur ein Teil der ungestörten natürlichen Entwicklung überlassen bleiben: Zum einen ist ein erheblicher Teil der Waldparzellen der Senne zu klein oder zu schmal, zum anderen grenzen die Wälder teilweise unmittelbar an die Siedlungsränder. Dort muss nach Auffassung von Dr. Wulf die Naherholung der Wohnbevölkerung Vorrang genießen.

 

Außerdem würden sich die Kiefernwälder der Senne nicht automatisch zu naturnahen Laubwäldern entwickeln. Stattdessen sei damit zu rechnen, dass sich in einem Großteil der Wälder die aus Nordamerika stammende Spätblühende Traubenkirsche ausbreiten würde. Diese bildet dichte und dunkle Unterstände. „Die Wälder der Senne werden durch diese Entwicklung sicherlich nicht schöner und nicht besser für die Erholung geeignet sein“, meint der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass deutlich unter 40 % der Gebietskulisse überhaupt für den Prozessschutz geeignet sind.

 

Die Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel definiert, dass neue Nationalparke in NRW die internationalen Standards erfüllen sollen. „Das geht in der Senne nur, wenn von den heute ca. 5.000 ha Heide- und Graslandschaft ca. 3.000 bis 4.000 ha der Bewaldung überlassen werden“, hat Augustdorfs Bürgermeister nachgerechnet: „Damit würde den Bewohnern der Senne ihre Heimat genommen. Die Senne würde ihren besonderen Charakter verlieren. Die herrlichen Ausblicke auf den Teutoburger Wald und über das Münsterland bis zum Rothaargebirge würden verschwinden. Die Weite, die Gefühle von Freiheit und Unendlichkeit aufkommen lässt, würde der relativen Enge von Wäldern weichen. Die Geschichte der Landschaft wäre nicht mehr erlebbar. Das darf man uns nicht antun.“

 

Augustdorfs Bürgermeister zieht das Fazit: "Die wertvolle Kulturlandschaft der Senne muss erhalten und geschützt werden. Allerdings mit den und nicht gegen die Menschen. Ein Nationalpark ist für die Senne als Mittel zum Schutz der Natur völlig ungeeignet."



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