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Nationalpark bringt touristisch nicht viel

05.04.2011

 

200 neue Arbeitsplätze im Tourismus stehen mehr als 1000 gefährdete Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft gegenüber

 

Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf hat das Gutachten der Roland Berger Strategy Consultants zu einem Nationalpark im Teutoburger Wald und im Eggegebirge gründlich studiert. Eine Zusammenfassung stellte er dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung vom 24.03.2011 vor.

 

Nach den Roland Berger SC ist die Forst- und Holzwirtschaft in Ostwestfalen-Lippe ein zentraler Wirtschaftszweig mit ca. 33.250 Beschäftigten. Der lippische Wald sei von ausgezeichneter Qualität und optimal forstlich zu nutzen. Bei Holz herrsche Rohstoffknappheit, die weiter wachsen werde - u.a. auch wegen der steigenden Nutzung von Holz als Brennstoff. Ein Nationalpark werde die Verfügbarkeit von Holz erheblich vermindern. Er würde die Sägeindustrie, die Holzwerkstoffindustrie und die Energieerzeugung negativ betreffen. In diesen Wirtschaftszweigen sind über 4.400 Personen beschäftigt (ohne die Beschäftigten im Bereich der Energieerzeugung sowie des Tischler- und Zimmerergewerbes).

 

Nach Aussagen des Landesbeirats Holz wären durch die Ausweisung eines Nationalparks bis zu 1.000 Arbeitsplätze oder mehr bedroht. Die Firma Glunz AG sprach von etwa 1.800 gefährdeten Beschäftigungsverhältnissen.

 

Der Teutoburger Wald ist schon jetzt die führende Tourismusregion in NRW: In Lippe beträgt das Volkseinkommen durch Tourismus rd. 212 Mio. Euro, was etwa 10.000 Beschäftigten entspricht.

 

Die Untersuchung bestehender Nationalparks hat gezeigt, dass sich in etablierten Tourismusregionen keine oder kaum Tourismuseffekte durch die Gründung eines Nationalparks ergeben haben. In Lippe ist der Tourismus bereits ohne Nationalpark ein größerer Wirtschaftsfaktor als in den meisten bestehenden Nationalparkregionen. Weil die Effekte von Nationalparks im Tourismus eher gering sind, empfiehlt Roland Berger, dass das Zielkonzept für den Teutoburger Wald mehr als Tourismus umfassen muss. Vorgeschlagen wird das Leitthema 'Mensch & Natur' - was allerdings das Kernthema eines Biosphärenreservats und nicht eines Nationalparks ist. Für das Thema 'Mensch & Natur gäbe nach Roland Berger jedoch keine Erfahrungswerte. Ob das Thema tatsächlich ein Potential bietet, sei nicht belegt.

 

Der Gutachter geht davon aus, dass das regionale Tourismuseinkommen durch einen Nationalpark um 2 % steigen dürfte. Das entspräche einem Zuwachs von rd. 200 Beschäftigten. Damit gefährdet ein Nationalpark erheblich mehr Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft als er neue Arbeitsplätze im Tourismus schaffen kann.

 

Der regional-ökonomische Effekt eines Nationalparks soll sich in den nächsten 30 Jahren auf durchschnittlich 3,58 Mio. Euro pro Jahr belaufen. Das ist der Zuwachseffekt im Bereich Tourismus, der durch einen Nationalpark geschaffen werden soll, wobei auch die weiter bestehenden Ertragsmöglichkeiten und -ausfälle in der Forst- und Holzwirtschaft zumindest teilweise berücksichtigt werden.

 

Die Aufwendungen der öffentlichen Hand für die Einrichtung und den Betrieb eines Nationalparks wären hingegen mehr als doppelt so hoch: Die Grundstückseigentümer müssten für Ertragsausfälle mit ca. 2,56 Mio. Euro pro Jahr entschädigt werden. Außerdem wäre der Verkehrswert der Nationalparkfläche in Höhe von 115 Mio. Euro zu ersetzen. Das macht umgerechnet auf 30 Jahre einen jährlichen Betrag von 3,83 Mio. Euro aus. Allein die Entschädigungszahlungen belaufen sich somit auf rd. 6,4 Mio. Euro pro Jahr. Hinzu kommen die Betriebs- und Investitionskosten für die Nationalparkverwaltung und deren Einrichtungen, die sich in den ersten sechs Jahren auf mindestens durchschnittlich über 4 Mio. Euro pro Jahr belaufen. Ab dem 5. Jahr beträgt allein das minimale Jahresbudget für den Betrieb des Nationalparks 3 Mio. Euro (ohne Investitionen).

 

Insgesamt stehen einem regional ökonomischen Effekt von 3,58 Mio. Euro jährliche Aufwendungen der öffentlichen Hand in Höhe von 7,83 Mio. Euro gegenüber. Als Projekt zur Förderung der Tourismuswirtschaft wäre der Nationalpark demnach höchst ineffizient. Für jeden Euro, den die öffentliche Hand ausgibt, werden im Tourismus positive Effekte von weniger als 50 Cent erzeugt.

 

Eine ausführlichere Darstellung mit Quellenangaben finden Sie in den beiliegenden Texten.

Bericht zu Roland Berger im HFA

Zusammenfassung Gutachen Roland Berger



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