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Bürgermeister für Freigabe von Teilen des Truppenübungsplatzes

21.10.2010

 

Die britische Regierung hat am 19. Oktober 2010 angekündigt, dass sie ihre Truppen bis 2020 aus Deutschland abziehen wird. Das bedeutet, dass der Truppenübungsplatz Senne und der Standortübungsplatz Stapel dann nicht mehr von den britischen Streitkräften genutzt und verwaltet werden. Derzeit werden 60% des Gebietes der Gemeinde Augustdorf militärisch genutzt.

 

"Auf die bevorstehenden Veränderungen sollten wir frühzeitig reagieren. Der Gemeinderat sollte sich schnell über seine Ziele bewusst werden, um die sich eröffnenden Möglichkeiten zum Wohle Augustdorfs nutzen zu können", ist Bürgermeister Andreas J. Wulf überzeugt.

 

Schon im nächsten Jahr sei damit zu rechnen, dass Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sein neues Stationierungskonzept für die Bundeswehr vorstellt. In der Vergangenheit war die Existenz des Truppenübungsplatzes Senne direkt neben der GFM-Rommel-Kaserne ein wichtiger Grund dafür, denn Bundeswehrstandort Augustdorf zu erhalten. Auch in Zukunft werde die Bundeswehr nach Einschätzungen des Bürgermeisters Übungs- und Schießmöglichkeiten vor Ort benötigen. Soldaten könne man nicht nur in Kasernen ausbilden. Bislang verfügt die Bundeswehr lediglich über rund 80 Hektar Übungsflächen am Schapeler Hof.

 

Der Gemeinderat stand bislang geschlossen hinter der Bundeswehr in Augustdorf. In diesem Jahr erstelltes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass durch die Bundeswehr ein zusätzlicher Umsatz von fast 3 Millionen Euro erzeugt wird. Würde diese Kaufkraft verloren gehen, dann bliebe das nicht ohne Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Gastronomie. Der Bürgermeister erinnert daran, dass die Gemeinde Augustdorf durch die Bundeswehr viele aktive Einwohner gewonnen hat, die das gesellschaftliche Leben, insbesondere in Vereinen, Parteien und anderen Organisationen sehr bereichern. Augustdorf pflegt eine Patenschaft mit dem Panzerartilleriebataillon 215.

 

"Jeder, der die Bundeswehr in Augustdorf erhalten möchte, muss auch dafür sein, dass die Bundeswehr in der Senne zusätzliche eigene Übungsflächen bekommt", meint Dr. Wulf, und setzt dabei voraus, das die Bundeswehr das selbst auch will. Der Bürgermeister geht aber davon aus, dass die Bundeswehr bei weitem nicht den ganzen Truppenübungsplatz Senne und den Stapel benötigt. Daher werde es möglich sein, dass große Flächen wieder dauerhaft der Zivilbevölkerung zugänglich gemacht werden. Dazu der Dr. Wulf: "Ich habe mich schon in der Vergangenheit wiederholt für eine Freigabe des Standortübungsplatzes Stapel, des Bärenbachtals und des Gebietes Augusta-West ausgesprochen. Aufgrund der neuen Perspektive wünsche ich mir auch eine Freigabe des Bereiches Augusta-Ost sowie der Schießbahn A mindestens bis zur Kribbentor Straße."

 

Die Bundeswehr könnte ihre künftigen Übungsflächen im Truppenübungsplatz Senne problemlos über die Verbindungsstraße vom Südtor zum Kribbentor erreichen. Eine noch weitergehende Verschiebung der Truppenübungsplatzgrenze nach Süden wäre aus Sicht von Dr. Wulf sehr zu begrüßen.

 

Der Bürgermeister sieht die Chance, einerseits die Bundeswehr zu halten und gleichzeitig die Lebensqualität in Augustdorf erheblich aufzuwerten. Die Attraktivität der Gemeinde als Wohnort könnte erheblich zunehmen. Die Landschaft sei sehr attraktiv für die Erholungsnutzung und damit eine gute Grundlage für den Aufbau des Tourismus in Augustdorf.

 

Der Bürgermeister setzt vor allem auf Wandern, Radfahren und Reiten, die naturkundliche und geschichtliche Bildung, den reinen Naturgenuss und die Senner Pferde. Durch die Freigabe der Schießbahn A bestünde die Möglichkeit, die Senner Pferde, die als älteste Pferderasse Deutschlands gelten, wieder an historischer Stätte anzusiedeln. Auf dem Gebiet der Schießbahn A befinden sich die Ruinen des ehemaligen Gestüts und Jagdschlosses Lopshorn mit dem ehemaligen Gestütskamp.

 

Für die Stapelager Senne und deren Umfeld hat der Bürgermeister die Idee, die Steinzeit und die Bronzezeit wieder erlebbar zu machen. Im Stapel befanden sich vor der militärischen Nutzung über 40 Hügelgräber aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit, die entlang uralter Wege aufgereiht waren. In der Dörenschlucht und der Stapelager Schlucht wurden Zeugnisse der Steinzeit gefunden.

 

Musste die Gemeinde bisher mit den britischen Streitkräften um die Wahrung ihrer Interessen ringen, so werde sie zukünftig darum kämpfen müssen, dass die Interessen der Augustdorfer durch den Naturschutz nicht zu sehr eingeengt werden, sagt Dr. Wulf vorher. Der Kreis Lippe habe in der Vergangenheit sehr strenge Regelungen für die in Augustdorf besehenden Naturschutzgebiete getroffen. In den Augustdorfer Wäldern, die schon jetzt zum allergrößten Teil als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, gilt ein striktes Wegegebot. Das Pflücken von Beeren, das Sammeln von Pilzen oder das Spielen von Kindern abseits der Wege habe der Kreis Lippe mit den Landschaftsplänen in Augustdorf weitgehend verboten.

 

Es sei damit zu rechen, dass der Naturschutz versuchen werde, auch auf den Flächen, die aus der militärischen Nutzung fallen, viele Verbote für die Menschen zu erlassen. Dazu der Bürgermeister: "Die Augustdorfer sind keine Indianer, die man in ein Reservat sperren kann. Wir wollen unsere wunderbare Landschaft, unsere Heimat erleben und genießen können. Dazu gehört auch eine behutsame Nutzung der Landschaft."

 

Die zuständigen Naturschutzbehörden müssten sich bewusst machen, dass etwa 75% des Gemeindegebietes Naturschutzgebiete von europäischem Rang sind. Dieser besonderen Situation Augustdorfs müsse man mit einem abgestuften Schutz gerecht werden. Außerhalb der wertvollsten Bereiche der Naturschutzgebiete muss es möglich sein, die Natur abseits der Wege zu erkunden, im Wald zu spielen oder Pilze und Beeren zu sammeln. Ansonsten können die zukünftigen Generationen keine Beziehungen zur Senne aufbauen und werden sich dann auch nicht für deren Schutz interessieren.

 

Diese Bedenken werden durch die viel diskutierte Ausweisung eines Nationalparks in der Senne nur gestärkt. Denn ein Nationalpark dient nach den Naturschutzgesetzen von Bund und Land vor allem dem möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge. Sie sollen nicht oder wenig vom Menschen beeinflusst sein. Der Mensch ist in einem Nationalpark ein Störfaktor. Nur soweit der Schutz der Natur es erlaubt, sollen Nationalparke auch dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen. Naturparke würden hingegen ausdrücklich der Förderung der Erholungsnutzung dienen.

 

Im Hinblick auf den geplanten Abzug der britischen Streitkräfte ist Dr. Wulf der Auffassung, dass trotz der erlebten und gefühlten Einschränkungen und Belastungen auch Grund zur Dankbarkeit besteht. Denn die britischen Streitkräfte haben dazu beigetragen, die Nazi-Diktatur in Deutschland zu beenden, in unserem Staat eine stabile Demokratie zu entwickeln und den Frieden nach dem 2. Weltkrieg zu gewährleisen. Die britischen Soldaten, die heute im Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Ausland dienen und sterben, tun dies auch, um Anschlägen in Deutschland vorzubeugen.

 



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