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Senne kein Nationalpark

28.12.2010

 

Alte Kulturlandschaft kann weder nationale noch internationale Anforderungen erfüllen

Der Truppenübungsplatz Senne ist eine für den Naturschutz sehr bedeutsame Landschaft, die es auch in Zukunft zu schützen gilt. Die Ausweisung der Senne als Nationalpark sei dazu aber nicht erforderlich.  Zudem passe die Schutzgebietskategorie „Nationalpark“ nicht für Kulturlandschaft Senne. Das stellt Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf fest.

 

Die Senne ist eine alte Kulturlandschaft, die durch den Menschen geschaffen und erhalten wurde. Der weit überwiegende Teil der seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten lebt in der offenen Landschaft und nicht im Wald. Um die Bestände dieser Arten auch für die Zukunft sichern zu können, müssen Heiden, Graslandschaften, Dünen, Sandflächen und andere unbewaldete Lebensräume dauerhaft durch den Menschen gepflegt werden. Es ist das erklärte Ziel des Naturschutzes, die historische Kulturlandschaft der Senne zu erhalten.

 

Nationalparke schützen in Deutschland aber keine Kulturlandschaften, sondern Naturlandschaften. In Nationalparken soll sich die Natur frei von menschlichen Einflüssen entwickeln können. Menschen, die die Landschaft bewirtschaften oder pflegen, gelten in Nationalparken grundsätzlich als Störfaktoren.

 

Nationalparke dienen auch nicht vorrangig der Erhaltung eines großen Bestandes von Rote-Liste-Arten, wie er in der Senne besteht. Mit der Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahre 2002 wurde klargestellt, dass der ungestörte Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik das zentrale Ziel eines Nationalparks ist. Diese natürliche Dynamik würde in der Senne zur Wiederbewaldung der offenen Landschaft und damit zur einer Verdrängung von Rote-Liste-Arten führen, was im Nationalpark hin­zunehmen wäre.

 

Somit ist die von Nationalpark-Lobbyisten gerne wiederholte Aussage, nur mit einem Nationalpark könne die Sennelandschaft geschützt werden, schlichtweg unhaltbar. Ein Nationalpark bietet grundsätzlich nicht mehr Möglichkeiten, die Rechte von Menschen zu beschneiden, als ein Naturschutzgebiet. Im Landschaftsgesetz NRW heißt es, dass Nationalparke wie Naturschutzgebiete zu schützen sind.

 

Zweifelhaft ist nach Auffassung Dr. Wulf auch, ob mit einem Nationalpark der Tourismus erheblich gefördert werden könnte. Denn in Nationalparken ist die Erholungsnutzung und das Landschaftserleben nur ein nachrangiger Nebenzweck. Sie sind nur zulässig, soweit sie mit dem vorrangigen Schutz der Natur vereinbar sind. Die Förderung des Tourismus ist nach dem Landschaftsgesetz kein Ziel eines Nationalparks. Das rechtliche Mittel dazu ist die Schutzgebietskategorie „Naturpark“.

 

In jedem Nationalpark wird ein Besucherlenkungskonzept erstellt. Das beinhaltet in der Regel ein striktes Wegegebot und eine Reduzierung des vorhandenen Wegenetzes, damit die Menschen die sensiblen Tiere und Pflanzen weniger stören. Beispielhaft sei das im Naturschutzgroßprojekt Senne (www.ngp-senne.de ) zu sehen, wo ebenfalls vorgesehen ist, zwischen dem Großen Ehberg und Oerlinghausen bestehende Wege im Teutoburger Wald zurück zu bauen. In einem Nationalpark Senne sei damit zu rechnen, dass heute noch zeitweise benutzbare Durchgangsstraßen ganz gesperrt würden.

 

Die von grüner Seite verfolgte Parallelnutzung von Militär und Nationalpark ist nicht mit dem Schutzzweck eines Nationalparks vereinbar. Darauf haben verschiedene Naturschutzexperten auch in der Vergangenheit hingewiesen. „Panzer, Explosionen und durch Munition ausgelöste Brände tragen zur Erhaltung von Heiden, Graslandschaften und offenen Sandflächen bei, nicht aber zur natürlichen Entwicklung von Wäldern, wie sie in Nationalparken gefordert ist“, so Dr. Wulf.

 

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass der Dachverband der deutschen Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate „EUROPARC Deutschland e.V.“ (www.europarc-deutschland.de ) im Jahr 2008 „Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparke“ entwickelt hat. In die Erarbeitung eingebunden waren auch Vertreter des Bundesumweltministeriums, des Bundesamtes für Naturschutz sowie von Länderumweltministerien.

 

Als Qualitätsstandart für deutsche Nationalparke wird darin formuliert: „Nationalparke schützen im überwiegenden Teil ihres Gebietes den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik. Grundsätzlich ist dies nach einer Frist von längstens 30 Jahren nach Erklärung eines Gebietes zum Nationalpark auf mindestens 75% der Nationalparkfläche sichergestellt. Die Flächen zum Schutz der natürlichen dynamischen Abläufe sind zusammenhängend bzw. unzerschnitten und weisen wenige Außengrenzen auf.“

 

Dieser zentrale Qualitätsstandard, der die Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes konkretisiert, kann in der Senne nicht erfüllt werden. Das ergab schon das „Gutachten zur Eignung der Senne als Nationalpark“, das die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) 2004 im Auftrag der damaligen rot-grünen Landesregierung erarbeitet hat.

 

Nach diesem Gutachten könnten nur ca. 60% der Fläche des Truppenübungsplatzes Senne der natürlichen Entwicklung überlassen bleiben. Diese 60% entsprechen weitgehend den heutigen Waldflächen. Die Waldflächen sind aber nicht zusammenhängend, sondern hochgradig zersplittert. Der Waldbestand des Truppenübungsplatzes umfasst viele kleine Pazellen, die in die Heidelandschaft eingestreut sind. Der Waldanteil, der bei wohlwollender Betrachtung als zusammenhängend angesehen werden könnte, dürfte weit unter 50% betragen.

 

Eine ausführlichere Darstellung mit vielen Zitaten und Quellenangaben enthält die beigefügte Datei.

 

Anlage



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